Preise kalkulieren als Künstler: Gagen richtig ansetzen
Rechnen statt raten: So findest du deine Untergrenze, deinen Zielpreis und die Gage, die du selbstbewusst nennst.
„Was nimmst du denn so?" Bei dieser Frage kommen viele Künstler ins Schwitzen. Wer aus dem Bauch antwortet, liegt fast immer zu niedrig. Hilfreicher ist eine einfache Kalkulation, die du einmal aufbaust und danach nur noch anpasst.
Zuerst: deine Untergrenze
Deine Untergrenze ist der Preis, unter dem sich ein Auftritt nicht lohnt. Rechne ehrlich zusammen, was dich ein Abend wirklich kostet:
- Deine Zeit: neben der Bühnenzeit auch Anfahrt, Aufbau, Soundcheck, Abbau.
- Direkte Kosten: Sprit, Übernachtung, Verpflegung, Verschleiß an Technik und Requisiten.
- Fixkosten anteilig: Versicherung, Website, Software, Rücklage fürs Equipment.
- Rücklage für Steuer: Ein Teil der Gage gehört dem Finanzamt.
Was übrig bleiben soll, ist dein Gewinn. Alles darunter ist ein Zuschussgeschäft.
Dann: dein Zielpreis
Die Untergrenze ist dein Boden. Dein Zielpreis liegt deutlich darüber und richtet sich nach dem Wert für den Kunden: Eine Firmenfeier mit 200 Gästen hat ein anderes Budget als eine private Feier im Garten. Derselbe Akt, anderer Preis.
Drei Fehler, die dich klein halten
- Zu billig starten: Niedrige Einstiegspreise ziehen Kunden an, die vor allem auf den Preis schauen, und aus dieser Ecke kommst du schwer wieder heraus.
- Alles pauschal: Wer nur eine Zahl nennt, lädt zum Feilschen ein. Aufgeschlüsselte Positionen nehmen der Diskussion die Schärfe.
- Anfahrt verschenken: 200 km hin und zurück sind ein halber Arbeitstag. Das gehört auf die Rechnung und nicht in die Kulanz.
Pakete statt Stundensatz
Ein Stundensatz verkauft Zeit, Kunden kaufen aber ein Ergebnis. Schnür lieber Pakete: Basis (nur die Show), Plus (Show + Technik + Anfahrt), Premium (mit Sonderwünschen). So wählt der Kunde, anstatt zu verhandeln.
So hilft dir das System
Wenn du deine Kalkulation einmal in Angebotsvorlagen hinterlegst, steht der Preis bei der nächsten Anfrage in Minuten, mit Anfahrt, Optionen und Netto/Brutto. Du musst nichts schätzen und vergisst keine Position.
Fazit
Ein guter Preis ist gerechnet: Untergrenze kennen, Zielpreis bewusst setzen, in Paketen denken. Dann nennst du deine Gage, ohne dich zu rechtfertigen.